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Priapismus: Ursachen, Symptome, Behandlung

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Geschrieben von
Dr. med. Marcus Horstmann, Facharzt für Urologie und Andrologie
Überprüft von
12.03.2024
7 min

Beim Priapismus bzw. einer Dauererektion bildet sich eine Erektion nicht zurück, sondern bleibt länger als 4 Stunden bestehen. Auch wenn die erste Reaktion eines Betroffenen oft schambesetzt ist, handelt es sich um einen ernsten, medizinischen Notfall, der sofort behandelt werden muss. Lesen Sie, was die Ursachen für eine dauerhafte Erektion sind, woran man sie erkennt und wie sie behandelt wird.

Was ist ein Priapismus?

Ein Priapismus ist eine ernste Erkrankung, die durch eine schmerzhafte langanhaltende Erektion des Penis gekennzeichnet ist, die die normale Erektionsdauer weit überschreitet. Die Ursache liegt in einer Fehlfunktion der Mechanismen, die die Schwellung, Versteifung und Erschlaffung des Penis regulieren. Das Blut staut sich im Penis und die Schwellkörper können geschädigt werden. Eine korrekte Anamnese und Diagnose bei einem Priapismusverdacht ist unerlässlich, um den zugrundeliegenden Typ zu identifizieren. Eine Besonderheit dieser Erkrankung ist, dass sie häufig nicht mit sexueller Aktivität einhergeht oder deutlich länger als diese anhält. [4]

Wie häufig ist die Dauererektion?

Der Priapismus zählt zu den seltenen Erkrankungen und betrifft im Durchschnitt 1,5 von 100.000 Männern. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit dem Alter und liegt im Durchschnitt bei etwa 3 Erkrankungen aus 100.000 Männer im Alter von 40 und älter. Die Erkrankung betrifft aber alle Altersgruppen und kann in Einzelfällen bereits bei Babys auftauchen. [1]

Was bedeutet "Priapismus"?

Das Wort leitet sich von Priapos ab, dem griechischen Gott der Fruchtbarkeit. Als Fruchtbarkeitssymbol wurde er mit überproportionaler Erektion und Dauererregung dargestellt.

Schnelle Fakten

  • Wenn eine Erektion > 4h anhält, gilt sie als Priapismus [14]
  • Es gibt den Low-Flow- und den High-Flow-Typ
  • Der Low-Flow-Typ (der ischämische Priapismus) tritt in 95% der Fälle auf
  • Der Low-Flow-Typ ist ein medizinischer Notfall und muss schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden.
  • Eine häufige Spätfolge ist die erektile Dysfunktion
  • In vielen Fällen sind die genauen Ursachen für einen Priapismus nicht bekannt oder können nicht identifiziert werden.

Welche zwei Haupttypen des Priapismus gibt es?

Die Dauererektion beim Mann wird in zwei unterschiedliche Typen eingeteilt. Mit mehr als 95 % aller Fälle ist der ischämische Priapismus bzw. der Low-Flow-Typ am häufigsten. Sehr selten kommt es zu einem nicht-ischämischen, oder High-Flow-Typ. [2]

Was ist ein ischämischer oder Low-Flow-Priapismus?

Es handelt sich aus medizinischer Sicht beim Low-Flow-Typ um ein Kompartmentsyndrom. Damit beschreibt man einen ernsthaften medizinischen Zustand, der durch einen erhöhten Druck innerhalb eines begrenzten Teils des menschlichen Körpers verursacht wird. Die Versorgung mit sauerstoffreichem Blut wird durch diesen erhöhten Druck innerhalb dieses begrenzten Raumes behindert, weil die Arterien, die normalerweise dieses Blut zu den Geweben transportieren, komprimiert werden. [3

Das Kompartmentsyndrom bei der schmerzhaften Dauererektion wird durch einen Rückstau von sauerstoffarmem venösem Blut in den Schwellkörpern des Penis verursacht. Dieser Blutstau erhöht den Druck in den Schwellkörpern, wodurch der arterielle Blutfluss, der normalerweise sauerstoffreiches Blut in die Schwellkörper bringt, effektiv unterbrochen wird. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel führt unbehandelt unweigerlich zu einem Absterben der Zellen, was schließlich zu einer dauerhaften Schädigung der Schwellkörper und zu einer erektilen Dysfunktion führt. Deshalb sollte bei Verdacht auf einen Priapismus nicht gewartet werden, sondern sofort ärztlicher Rat eingeholt werden. Spätestens nach 4-6 Stunden sollte die Behandlung beginnen, um die Funktionsfähigkeit des Penis zu erhalten. [4]

Was ist ein nicht-ischämischer Priapismus oder High-Flow-Priapismus?

Der High-Flow-Priapismus, auch als nicht-ischämischer Priapismus bezeichnet, ist eine seltene Form der dauerhaften Erektion. Im Gegensatz zum Low-Flow-Typ ist diese Form nicht schmerzhaft und wird häufig durch eine Verletzung oder ein Trauma verursacht, das zu einer abnormen Verbindung zwischen einer Arterie und einem Schwellkörper im Penis führt. Dadurch fließt ständig frisches, sauerstoffreiches Blut in den Penis, was zu einer anhaltenden Erektion führt. Die Erkrankung ist jedoch in Bezug auf eine langzeitige Schädigung des Gewebes weniger schwerwiegend als der Low-Flow-Typ.[4]

Was sind die häufigsten Priapismus-Symptome?

Ein Mann leidet unter Schmerzen als Symptom eines Priapismus

Wenn eine Erektion länger als 4 Stunden anhält, unabhängig davon, ob eine sexuelle Erregung vorliegt oder nicht, spricht man von einem Priapismus. Die Erektion kann spontan entstehen, auch nachts, oder nach vollzogenem Geschlechtsverkehr ohne weitere sexuelle Stimulanz bestehen bleiben.

Low-Flow-Priapismus:

Dies ist die häufigste und schwerwiegendste Form. Bei dieser Erkrankung ist der Blutfluss im Penis blockiert, so dass das Penisgewebe nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird. Typische Anzeichen sind [4]:

  • Der Penis ist prall und hart 
  • Die Eichel bleibt weich
  • Es können starke, stechende Schmerzen auftreten
  • Der Penis kann sich bläulich verfärben.
  • Low-Flow-Episoden können sich wiederholen [10]

Der typische ischämische Schmerz entsteht, weil das Penisgewebe aufgrund des blockierten Blutflusses nicht genügend sauerstoffreiches Blut erhält. Der Mangel an Sauerstoff verursacht Schädigungen im Gewebe, die den Schmerz auslösen. Es kann jedoch 6-8 Stunden dauern, bis der Schmerz sich bemerkbar macht. [5] Daher ist es wichtig, dass Betroffene mit einer Dauererektion auch ohne Schmerzen schnellstmöglich eine Notaufnahme aufsuchen, um irreversible Schäden zu vermeiden. 

High-Flow-Priapismus:

  • Der Penis ist erigiert, bleibt aber noch weich
  • Schmerzen treten in der Regel nicht auf

Was sind die Ursachen eines Priapismus?

Die Ursachen für Priapismus unterscheiden sich definitionsgemäß in zwei Arten von Priapismus.

Low-Flow-Priapismus:

Idiopathisch: Bei etwa 50 % aller Priapismusfälle ist die Ursache unbekannt. Man spricht dann von idiopathischem Priapismus. 

Zu auslösenden Vorerkrankungen zählen [4]:

  • Blutkrankheiten: Seltene Blutkrankheiten wie Sichelzellanämie oder Leukämie. Auch bestimmte genetische Störungen, die die Blutbildung beeinflussen, können Ursache sein.
  • Infektionen: Infektionen wie Malaria oder Tollwut sowie Gifte von Insektenstichen wie Skorpionen oder Spinnen 
  • Stoffwechselstörungen: Störungen, bei denen der Körper bestimmte Stoffe nicht richtig verarbeiten kann, z. B. Amyloidose, bei der sich Eiweiße in Organen und Geweben ablagern, und Morbus Fabry, eine genetische Störung, die die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigt, bestimmte Fette abzubauen.
  • Neurologische Erkrankungen: Krankheiten, die das Nervensystem betreffen, wie Syphilis, Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzungen oder Schlaganfälle.
  • Tumore: Krebserkrankungen, die die Geschlechtsorgane oder deren Umgebung betreffen, z. B. Prostata-, Harnröhren-, Hoden-, Blasen-, Enddarm-, Lungen- oder Nierenkrebs.

Beim Priapismus sind Medikamente oder Drogen oftmals Auslöser [4]:

  • Medikamente gegen Bluthochdruck: Medikamente wie Prazosin, Terazosin und Doxazosin, die zur Kontrolle des Blutdrucks eingesetzt werden.
  • Antidepressiva und Antipsychotika: Medikamente wie Trazodon, Bupropion, Fluoxetin und Sertralin, die zur Behandlung von Depressionen und psychischen Störungen eingesetzt werden.
  • Blutverdünner und Hormontherapien: Medikamente wie Heparin, Warfarin und Testosteron.
  • Medikamente zur Behandlung von erektiler Dysfunktion: Es gibt verschiedene Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, die potenziell zu einem Priapismus führen könnten:
    • Papaverin: Wird zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt und wird in der Regel direkt in den Penis injiziert.
    • Phentolamin: Ähnlich wie Papaverin wird es oft direkt in den Penis injiziert.
    • Alprostadil (Prostaglandin E1): Alprostadil wird entweder als Injektion direkt in den Penis injiziert oder als kleine Tablette, die in die Harnröhre eingeführt wird, verabreicht.
  • Missbrauch von Substanzen: Der Missbrauch von Alkohol, Marihuana oder Kokain steht ebenfalls in Zusammenhang mit dem Auftreten von unkontrollierten Erektionen.

Von diesen Ursachen von Priapismus gelten als die häufigsten: Die Sichelzellanämie und die Injektion von Pavarin in den Penis als eine der Behandlungsmöglichkeiten der erektilen Dysfunktion. Entgegen populärer Annahme lösen PDE-5-Hemmer sehr selten einen Priapismus aus [12]. 

In den meisten Fällen können die Auslöser der Dauererregung häufig nicht ursächlich behoben werden, weil es sich um irreversible Vorerkrankungen oder lebensnotwendige Medikamente handelt. Sollte einer der möglichen Auslöser auf Sie zutreffen, nehmen Sie Anzeichen von ungewöhnlich langen Erektionen ernst und sprechen Sie Ihre behandelnde Ärztin oder den Arzt an. 

High-Flow-Priapismus:

Einige der spezifischen Ursachen für einen High-Flow-Priapismus können sein [4][9]:

  • Traumatische Verletzungen: Das kann z. B. eine direkte Verletzung des Penis oder des Bereichs zwischen Anus und Genitalien (Perineum) bei sportlichen Aktivitäten oder Unfällen sein.
  • Medizinische Eingriffe: In extrem seltenen Fällen kann ein High-Flow-Priapismus als Komplikation einer medizinischen oder chirurgischen Prozedur auftreten, wie zum Beispiel bei einer Schwellkörperoperation oder bestimmten Prostataoperation.

Wie wird Priapismus untersucht und diagnostiziert?

Ein Mann unterzieht sich einer medizinischen Untersuchung wegen Priapismus

Die Priapismus-Diagnostik [4][11] beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese. Die Ärztin oder der Arzt stellt Fragen wie:

  • Seit wann besteht die Erektion? 
  • Ist die Erektion schmerzhaft? 
  • Sind Vorerkrankungen oder Verletzungen im Genital- oder Dammbereich bekannt? 
  • Wurden Medikamente eingenommen oder kürzlich eine SKAT (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) durchgeführt? 
  • Wurden Alkohol und/oder illegale Drogen konsumiert? 
  • Ist dies der erste Vorfall dieser Art?

Sind diese Fragen geklärt, erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dabei beurteilt die Ärztin oder der Arzt das Aussehen des Penis und tastet ihn vorsichtig auf Berührungsempfindlichkeit ab. Der gesamte Genitalbereich wird auf Verletzungen und Veränderungen untersucht.

Eine wichtige Untersuchung zur Diagnose von Priapismus ist die Blutgasanalyse, bei der Blut aus dem Schwellkörper entnommen und analysiert wird. Dadurch kann der Typ bestimmt werden. Beim Low-Flow-Typ ist das Blut sauerstoffarm und dunkel gefärbt mit erhöhtem Kohlendioxidgehalt und niedrigem pH-Wert, beim High-Flow-Typ ist das Blut sauerstoffreich und hellrot mit normalen pH- und Kohlendioxidwerten.

Weitere Untersuchungen können eine Blutuntersuchung umfassen, bei der die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen bestimmt wird. Manchmal wird das Blut auch auf Drogen untersucht. Bei Verdacht auf Sichelzellenanämie kann eine weitere Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Eine Dopplersonographie, ein spezielles Ultraschallverfahren, kann ebenfalls durchgeführt werden, um die Richtung und Geschwindigkeit des Blutflusses zu bestimmen. Bei einem Low-Flow-Priapismus ist der arterielle Blutzufluss gering und der venöse Blutabfluss eingeschränkt, während bei einem High-Flow-Priapismus ein hoher arterieller Zufluss und ein normaler Blutabfluss festgestellt werden können.

In bestimmten Situationen, insbesondere bei Verdacht auf High-Flow-Priapismus, kann auch eine Beckenarteriographie in Betracht gezogen werden. Dieses Verfahren stellt die Blutgefäße im Beckenbereich dar und ist besonders wertvoll, wenn eine gezielte Behandlung wie z.B. eine Embolisation geplant ist. Bei der Embolisation werden künstliche Materialien in ein Blutgefäß eingebracht, um den Blutfluss zu verringern oder zu blockieren und so den Priapismus zu behandeln.

Was hilft bei Dauererektion?

Ein Mann mit einem SOS-Zeichen, der wegen Priapismus eine Behandlung benötigt

Die Priapismus-Therapie richtet sich nach dem Typ. Der Low-Flow-Typ ist ein unmittelbarer Notfall, während der High-Flow-Typ nicht als unmittelbarer Notfall gilt, aber auch medizinisch behandelt werden muss.

Behandlung des Low-Flow-Priapismus

Ein uschämischer Priapismus ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Das Hauptziel ist es, den Penis wieder in einen schmerzfreien, entspannten Zustand zu bringen, um bleibende Schäden zu vermeiden. [4, 11]

Die Behandlung des Priapismus sollte so schnell wie möglich beginnen, idealerweise innerhalb von 4 bis 6 Stunden. Wie gut die Fähigkeit zur Erektion erhalten bleibt, hängt stark davon ab, wie lange die Erektion angedauert hat.

  • Der erste Behandlungsschritt besteht darin, Druck vom Penis zu nehmen, indem Blut abgesaugt wird, bis frisches, rotes und somit sauerstoffreiches Blut austritt.
  • Wenn der Zustand trotz des Absaugens bestehen bleibt, wird beim Priapismus als medikamentöse Therapie ein Medikament direkt in den Penis injiziert, das das sympathische Nervensystem stimuliert und dadurch das Blut abfließen lassen soll. 
  • Wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind oder der Priapimus bereits länger als 72 Stunden besteht, sollte eine Priapismusoperation in Betracht gezogen werden. Bei dieser Operation wird ein Shunt, d.h. eine Verbindung zwischen beiden Schwellkörpern copora cavernosa und corpus spongiosus, geschaffen, die dabei helfen soll, das Blut aus den corpora cavernonsa abfließen zu lassen. [4]

Behandlung eines High-Flow-Priapismus

Die Priapismus-Behandlung des High-Flow-Typ gilt nicht als unmittelbarer Notfall, da weiterhin sauerstoffreiches Blut in den Penis einfließt. Die behandelnde Ärztin oder der Arzt haben also mit dem Patienten zusammen Zeit, eine geeignete Maßnahme zu finden. Die Therapie eines High-Flow-Priapismus kann auf verschiedene Weisen erfolgen [4]:

  • Eine einfache primär anwendbare Methode ist die Applikation von Eis im Bereich zwischen Anus und Genitalien oder das gezielte Zusammendrücken dieser Region. Diese Methoden sind gerade bei Kindern häufig erfolgreich. 
  • Bei Erwachsenen ist eine weitere Option ist eine Hormontherapie, die helfen kann, die abnormale Verbindung in den Blutgefäßen zu schließen und ungewollte Erektionen zu verringern.
  • Die effizienteste und am häufigste angewandte Therapie ist allerdings die gezielte Versiegelung der betroffenen Blutgefäße, die auch als selektive arterielle Embolisation bezeichnet wird. Dabei werden temporäre oder dauerhafte Materialien verwendet, um den Blutfluss in den betroffenen Gefäßen zu blockieren. Diese Methode hat hohe Erfolgsraten bei der Behandlung von eines High-Flow-Priapismus.

Was sind mögliche Komplikationen des Low- Flow-Priapismus?

Ein Priapismus hat irreversible Folgen, wenn er länger als 24 Stunden anhält [8]. In diesem Fall ist das Gewebe im Inneren des Penis durch die langanhaltende Unterbrechung der Blutzufuhr dauerhaft geschädigt. Es kommt zur:

  1. Erektilen Dysfunktion: Die dauerhafte Schädigung der Schwellkörper führt zu einer erektilen Dysfunktion, das heißt, der betroffene Mann keine oder nur noch eine unzureichende Erektion erreichen.
  2. Fibrosierung: Durch die Nekrose (Absterben von Gewebe) kann das betroffene Gewebe beim Heilungsprozess verhärten (fibrosieren). Diese Verhärtung kann das spätere Implantieren einer Schwellkörperprothese erschweren oder sogar unmöglich machen.[6

Deshalb raten Ärztinnen und Ärzte in solchen Fällen dazu, die Implantation einer Penisprothese so früh wie möglich in Betracht zu ziehen, um den Patienten bestmögliche Ergebnisse und Lebensqualität zu ermöglichen. Ein Spezialist für Erektionsstörungen kann in diesem Fall alle Optionen abklären. [4]

Wie ist die Prognose für Menschen mit Priapismus?

Der Erhalt der Sexualfunktion liegt beim High-Flow-Typ bei etwa 80%. 

Beim Low-Flow-Priapismus ist eine Erektionsstörung häufiger. Eine Follow-Up-Studie nach dem Auftreten und der Behandlung eines Priapismus dieses Typs kam zu dem Ergebnis, dass 57% der Betroffenen als Folge unter erektiler Dysfunktion litten.[6

Kann man Priapismus zu Hause selbst behandeln?

Die Dauererektion ist ab wann gefährlich? Wenn sie länger als 4 Stunden anhält. Insofern können Sie, sollten Sie eine ungewöhnliche Erektion bemerken, zunächst Folgendes als Erstmaßnahme tun:

  • versuchen zu urinieren
  • ein warmes Bad oder eine warme Dusche nehmen
  • viel Wasser trinken
  • einen leichten Spaziergang machen
  • Übungen wie Kniebeugen oder auf der Stelle gehen versuchen
  • bei Bedarf Schmerzmittel wie Paracetamol einnehmen [7

In einigen Fällen lässt sich so eine Dauererektion beseitigen. Sie sollten aber, wenn Sie eine ungewöhnliche Erektion bemerken, insbesondere, wenn sie mit Schmerzen verbunden ist, die Zeit nutzen und besser direkt eine Notaufnahme aufsuchen. Die Dauererektion mit Hausmitteln behandeln zu wollen, könnte wertvolle Zeit kosten. Je schneller die ärztliche Behandlung beginnen kann, desto besser. Das medizinische Fachpersonal weiß um die Dringlichkeit und Schwere der Situation. Sie sollten keine Hemmungen haben mit Ihrem Problem, auch wenn es Ihnen vielleicht im ersten Moment peinlich ist, sofort medizinische Hilfe zu suchen. 

Geht ein Priapismus durch Masturbation weg?

Nein, Masturbation oder Geschlechtsverkehr lassen die übermäßig lange Erektion normalerweise nicht verschwinden, selbst wenn Sie ejakulieren. [13]

Kann der Low-Flow-Priapismus von selbst wieder verschwinden?

Ja, in seltenen Fällen kann sich eine übermäßig langanhaltende Erektion von selbst zurückbilden. Trotzdem sollte jede Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, sofort ärztlich behandelt werden. Auch wenn der Zustand scheinbar von selbst wieder verschwindet, ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich, um die Ursache zu klären und ein erneutes Auftreten zu verhindern, was häufig vorkommt [10]. Um eine Priapismus-Episode zu lindern, kann man Maßnahmen wie eine warme Dusche, körperliche Aktivität und das Trinken von ausreichend Flüssigkeit ergreifen.

Wie kann man Priapismus vorbeugen?

Da ca. 50% aller Low-Flow-Ereignisse als "idiopathisch", d.h. ohne erkennbaren Auslöser, gelten, gibt es ohne vorhandene Risikofaktoren keine konkreten vorbeugende Massnahmen.

Die beste Priapismus-Selbsthilfe zur Vorbeugung des Typs Low-Flow besteht darin, mögliche Auslöser zu behandeln oder, falls vorhanden, zu minimieren. Dazu gehört der Verzicht auf Alkohol und Drogen, insbesondere bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren.

Da der High-Flow-Typ häufig durch ein Trauma, d.h. einen Unfall, ausgelöst wird, sollte vor allem bei Kontaktsportarten ein Tiefschutz getragen werden.

Was ist eine Erektionsstörung?

Erektile Dysfunktion behandeln

Dieser Artikel dient nur allgemeinen Informationszwecken und beabsichtigt nicht, eine medizinische Behandlung in irgendeiner Form zu fördern und ist kein Ersatz für die Konsultation eines professionellen Arztes. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, um eine persönliche medizinische Beratung zu erhalten. Für einen medizinischen Rat sollten Sie immer den Rat eines Arztes oder eines anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleisters einholen.

Quellen:

[1] Eland, I A et al. Incidence of priapism in the general population. Urology (2001). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11337305/ 

[2] Ridgley, Joanne et al. Ischaemic priapism: A clinical review. Turkish journal of urology (2017). https://europepmc.org/backend/ptpmcrender.fcgi?accid=PMC5330261&blobtype=pdf  

[3] Elliott, K.G.B. and Alan John Johnstone. Diagnosing acute compartment syndrome. The Journal of bone and joint surgery. (2003). http://www.skadebogen.com/upl/9775/Akutcompartmentsyndrom.pdf  

[4] Bivalacqua TJ, Allen BK, Brock GB, et al. The diagnosis and management of recurrent ischemic priapism, priapism in sickle cell patients, and non-ischemic priapism: an AUA/SMSNA guideline. J Urol. 2022;208(1):43-52. https://www.auanet.org/guidelines-and-quality/guidelines/diagnosis-and-management-of-priapism-aua/smsna-guideline-(2022) 

[5] Melman A, Serels S. Priapism. Int J Impot Res. (2000). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11035401/  

[6] El-Bahnasawy, M S et al. Low-flow priapism: risk factors for erectile dysfunction. BJU international (2002). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11856112/  

[7] NHS: Priapism (painful erections) (2023). https://www.nhs.uk/conditions/priapism-painful-erections/  

[8] Spycher, M A, and D Hauri. “The ultrastructure of the erectile tissue in priapism.” The Journal of urology (1986). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3941454/  (abgerufen am 15.05.2023)

[9] Broderick, Gregory A et al. Priapism: pathogenesis, epidemiology, and management. The journal of sexual medicine (2010). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20092449/  

[10] Bivalacqua, Trinity J et al.: The Diagnosis and Management of Recurrent Ischemic Priapism, Priapism in Sickle Cell Patients, and Non-Ischemic Priapism: An AUA/SMSNA Guideline. The Journal of urology (2022). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35536142/ 

[11] Bivalacqua TJ, Allen BK, Brock G, et al. Acute Ischemic Priapism: An AUA/SMSNA Guideline. J Urol. (2021) . https://www.auanet.org/guidelines-and-quality/guidelines/acute-ischemic-priapism  

[12] Rezaee, Michael E, and Martin S Gross. Are We Overstating the Risk of Priapism With Oral Phosphodiesterase Type 5 Inhibitors?. The journal of sexual medicine (2020). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32622767/  

[13] Muneer, Asif and David J Ralph. Guideline of guidelines: priapism. BJU International 119 (2017). https://bjui-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.13717  

[14] Silberman M, Stormont G, Leslie SW, et al. Priapism. [Updated 2023 Jan 31]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459178/

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